Die Cloud & Nachhaltigkeit – passt das zusammen?

Wieder – oder nach wie vor – befindet sich unsere Gesellschaft im Jahr 2020 in einer schwierigen Lage, hat uns die Pandemie Anfang des Jahres doch sehr unerwartet getroffen. Tatsächlich sind wir jedoch bereits an einem Punkt angekommen, an dem wir in eine “neue Normalität” steuern. Was zu Beginn diesen Jahres für viele erst einmal erschreckend war, ist inzwischen fast schon zur Gewohnheit geworden.

Bedingungen haben den Markt getroffen, die Unternehmen und Organisationen in den Hintergrund gedrängt haben. Doch trotz – oder gerade wegen – dieser zähen Phase in der Weltwirtschaft, haben sich die großen Cloud Service Provider ziemlich gut geschlagen oder sind sogar gewachsen.

Unsere Umwelt und die Cloud

Ja, Cloud Service Provider (CSP) stehen nach wie vor gut da und das ist durchaus ein positives Zeichen. Jedoch hat es auch seinen Preis, die Leistung von CSP zu steigern – und dieser ist nicht nur rein monetärer Natur.

Die Klimakrise war vor Ausbruch der globalen Covid-19-Pandemie bereits ein heiß diskutiertes Thema. Im Zusammenhang damit auch die Auswirkungen der Industrie auf unsere Umwelt.

Hier soll zwar nicht die Klimakrise mit Covid-19 verglichen werden, jedoch bleibt trotzdem die Frage: “Leisten CSP ihren Beitrag zur Förderung der Nachhaltigkeit?” Soll heißen: Wird genug unternommen, um die durch CSP verursachten Umweltschäden auszugleichen?

Wir wollen hier keinesfalls mit dem Finger auf jemanden zeigen, denn die Cloud ist ohne Frage eine großartige Sache und ein wichtiges Werkzeug für unser aller Fortschritt. Dennoch hat die Frage nach Nachhaltigkeit ihre Berechtigung und sollte auch im Zuge der aktuellen weltweiten Pandemie nicht hintenan gestellt werden.

Nicht nur die Verbindungen von CSP zur Ölindustrie ist hier kritisch zu beleuchten (und diese betrifft alle drei großen Player: Google, Microsoft & Amazon). Auch im Hinblick auf die Umweltauswirkungen bei der Einrichtung großer Rechenzentren stellt sich die Frage, wie diese kompensiert werden können. Nicht nur die Instandhaltung von Rechenzentren verbraucht extrem viel Strom, Auch die kontinuierliche Kühlung ist ein wichtiger Faktor in dieser Rechnung. Alle drei großen CSP schreiben daher in Bezug auf die Umweltauswirkungen rote Zahlen.

LinkedIn hat in seinem Artikel Environmental impact of Internet searches and Data Centers darauf hingewiesen, dass Rechenzentren für 17% des gesamten (durch Technologie verursachten) CO2-Fußabdrucks, verantwortlich sind.

Positive Veränderungen sind bereits geplant

Mit der bereits erwähnten Aufmerksamkeit für die Klimakrise, hat sich nun natürlich auch weltweit ein Interesse am Vorgehen der Cloud Service Provider entwickelt. Daher haben die drei großen Cloud-Giganten in den letzten Monaten fleißig an Wegen getüftelt, die hier künftig zusätzlich eingeschlagen werden können. Vieles wird bereits seit einigen Jahren richtig macht, man hat jedoch durch (zum Teil sehr) ambitionierte Ziele ergänzt:

Die Cloud und Nachhaltigkeit

Google

  • ist laut eigenen Angaben seit 2007 CO2-neutral
  • hat es dieses Jahr geschafft, alle CO2-Emissionen die zwischen 1998 und 2007 angefallen sind, auszugleichen
  • möchte bis 2030 seinen kompletten Energiebedarf mit erneuerbaren Energien abdecken (der überwiegende Teil wird bereits schon jetzt damit bestritten)

Microsoft

  • möchte bis 2030 klimaNEGATIV werden (neutral ist laut Konzernangaben nicht genug)
  • plant, bis 2050 mengenmäßig all das Kohlendioxid aus der Umwelt zu entfernen, das direkt oder indirekt über den Stromverbrauch seit der Gründung 1975 ausgestoßen wurde

Amazon Web Services

  • plant bis 2050 zu 100% auf erneuerbare Energien für seine Infrastruktur umzustellen

Das alles klingt in jedem Fall nach einem guten Weg. Die ehrliche Antwort auf die Frage zur Klimakrise kann jedoch nur dann gefunden werden, wenn man sich auch alle weiteren Maßnahmen der Cloud Service Provider in Bezug auf Nachhaltigkeit genauer ansieht. Sämtliche Aussagen, die darlegen, dass die Cloud-Technologie zum Erhalt einer grüneren Erde beitragen und die Landwirtschaft voranbringen, müssen daher schon etwas genauer beleuchtet werden.

Zusätzliche Maßnahmen – außerhalb erneuerbarer Energien

Tatsächlich ist es schon so, dass die CSP in der Zwischenzeit durchaus einiges unternommen haben, um nachhaltige Projekte voranzubringen.

Google und Unilever werden “Klimapartner”

Das jüngste Beispiel ist die Partnerschaft zwischen Google und Unilever, bei der die beiden Unternehmen “die erste kommerzielle Anwendung von Google Cloud und Google Earth Engine für eine nachhaltige Rohstoffbeschaffung” erstellen. Hierbei sollen die Fähigkeiten von Google im Bereich von Cloud Computing, KI und Satellitenbilder nachhaltige Beschaffungsstandards für Unilever schaffen.

Diese Standards werden unter der Verwendung der Google Ressourcen festgelegt, um eine ganzheitliche Sicht auf die Wälder, Wasserkreisläufe und die biologische Vielfalt zu schaffen, die die Lieferkette von Unilever überschneiden.

Microsoft kündigt Climate Innovation Fund an

Microsoft möchte im Zuge des angekündigten Climate Innovation Fund in den nächsten vier Jahren Beträge in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar in neue Technologien investieren. Damit sollen Unternehmen unterstützt werden, die sich mit der Klimakrise und damit zusammenhängenden Maßnahmen beschäftigen. Darüber hinaus kündigt Microsoft eine Partnerschaft mit Danone an, wo künstliche Intelligenz zur Stärkung der regenerativen Landwirtschaft bereitgestellt werden soll.

AWS soll den Prozess der Bewertung der Klimakrise beschleunigen

Von Four Twenty Seven (ein Unternehmen für Klimarisikodaten) wiederum wurde AWS beauftragt, den Prozess der Klimakrise-Bewertung zu beschleunigen. Basierend auf AWS können Benutzer somit den Standort eines Assets eingeben und mit der neuen On-Demand-Scoring-Anwendung von Four Twenty Seven in Echtzeit eine Risikobewertung für jeden dieser Standorte erhalten.

Die Amazon Sustainability Data Initiative unterstützt außerdem Solcast, ein Unternehmen das sich auf Sonneneinstrahlung spezialisiert hat, bei der Verbesserung von deren Vorhersagen.

Besser kleine Schritte als gar keine

Nachhaltigkeit in 2020

Sind die brennenden Fragen zur Klimakrise im Zusammenhang mit Cloud Computing damit beantwortet? Zugegebenermaßen nicht alle, aber ein Teil schon.

Sicher könnten – besonders die großen – Cloud Service Provider noch wesentlich mehr tun, wenn es um Maßnahmen zur Nachhaltigkeit und der bestehenden Klimakrise geht. Dennoch ist das Bewusstsein da und ein Anfang gemacht – das ist ein wichtiger Schritt.

Die Beziehungen der Cloud-Industrie zu den Ölkonzernen ist weiterhin als kritisch zu betrachten. Allerdings muss man hier wiederum ehrlicherweise sagen, dass sich alternativ ein anderer Industriezweig dieses Geschäft sichern wird, wenn die Cloud-Technologie bei der Entdeckung und Gewinnung der Ölreserven nicht unterstützt. Hier würden also tatsächlich nur Protagonisten ausgetauscht werden – das “Problem” an sich wäre damit nicht behoben.

Immerhin verspricht der Cloud-Sektor, dass die Beschaffung und die damit umweltschädlichen Auswirkungen der Ölreserven effizienter gestaltet werden können.

Die Umstellung auf erneuerbare Energien, und die derzeitige Nutzung fossiler Brennstoffe durch die Cloud Service Provider, ist ein Übergang, der schrittweise erfolgen wird. Echte Klimaspezialisten sehen es vielleicht kritisch, wenn CSP eine umweltfreundlichere Lösung für den Einsatz fossiler Brennstoffe versprechen. Da dies jedoch aktuell noch nicht anders lösbar ist, handelt es sich um einen Kompromiss, mit dem wir noch eine Weile leben müssen.

Was lernen wir daraus?

Wir sollten over all immer eines im Kopf behalten: Wir können keinen Fortschritt erwarten, wenn wir im Namen des Fortschritts den Fortschritt verhindern. Klingt kompliziert? Ist es auch. Aber nur so halb. 😉