Die Multi Cloud

Das Thema Multi Cloud ist in aller Munde und es existieren mindestens so viele Interpretationen wie Cloudanbieter da draußen. Umso wichtiger ist es, ein einheitliches Verständnis dieses Begriffes zu schaffen.

Public-, Private- oder doch Hybrid Cloud?

Im professionellen Umfeld haben längst die Begriffe Software as a Service (SaaS) sowie Cloud Anbieter – beispielsweise AWS, Azure und GCP – breite Bekanntheit erlangt. Steigt man weiter in die Materie ein, stößt man schnell auf weitere Unterteilungen. Während die bereits genannten großen 3 Cloud Anbieter überwiegend den Public Clouds zugeordnet werden können, gibt es aber auch Private Clouds.

Private-, Public- oder Hybrid-Cloud? SEQUAFY hilft weiter

Der Unterschied liegt hauptsächlich in der administrativen Hoheit und der Lokation der unterliegenden Hardware. Während bei klassischen Public Clouds die Workloads auf Providerhardware in dessen Rechenzentrum läuft, wird bei den Private Clouds in den eigenen Rechenzentren gehostet. Neben dem Klassiker OpenStack gibt es zum Beispiel auch Azure Stack, die in der eigenen Umgebung laufen können.

Da Private Clouds sowie Public Clouds ihre Vor- wie Nachteile haben, gibt es auch eine Kombination von beidem – das ist dann die Hybrid Cloud. Ausgewählte Workloads mit sensiblen Inhalten laufen zum Beispiel aus Compliance Gründen im eigenen Rechenzentrum, während andere Workloads ohne Probleme in einer Public Cloud laufen können. Das ist eine mögliche Form der Multi Cloud,

Eine andere Variante kann aus der Kombination von verschiedenen Public Cloud Anbietern bestehen.

Aber was genau sind denn nun die Vorteile einer solchen Multi Cloud?

Die 5 Vorteile einer Multi Cloud

1. Flexibilität & Individualität durch mehrere verschiedene Anbieter

Dadurch, dass man sich nicht auf einen Cloud-Anbieter festlegen muss, kann man praktisch aus den Vollen schöpfen.

Zuerst überlegt man sich genau, was man haben möchte bzw. braucht. Dann sucht man sich zu jedem der einzelnen Punkten gezielt den Anbieter heraus, der diesen am besten bedient – so bastelt man sich mehr oder weniger selbst eine eigene maßgeschneiderte Multi Cloud (wir unterstützen an dieser Stelle übrigens gerne).

Das Beste daran: Sobald sich etwas ändert oder es eine noch bessere Lösung gibt, kann die Multi Cloud einfach angepasst werden.

2. Reduziert die Abhängigkeit von nur einem Anbieter

Weil sich in der eigens zusammengestellten Multi Cloud nicht nur ein Anbieter befindet, der die jeweiligen Bedürfnisse bedient, sondern mehrere, ist man von keinem allein abhängig.

Fällt also ein Anbieter aus, streicht einen wichtigen Service oder erhöht eklatant seine Preise – man kann die damit zusammenhängende Dienstleistung einfach austauschen.

So wird keiner der anderen Workflows beeinflusst und man kann ohne nennenswerte Beeinträchtigung weiterarbeiten.

3. Trägt zur Datensicherheit des Unternehmens bei

Z.B. Daten mittels Erasure Coding, mit dem sich Daten über verschiedene Clouds verteilen lassen. 

Der Datensatz ist somit bei keinem einzelnen Provider, so kann der Cloud-Provider die Daten nicht lesen, selbst wenn er es wollte.

In ähnlicher Weise haben Hacker keine Chance, einen unvollständigen Datensatz zu lesen.

4. Granulare Kontrolle der Cloud Kosten

Durch z.B. das jeweils günstigste Modell eines Anbieters ermöglicht eine Multi Cloud Strategie zudem eine granulare Kontrolle der Cloud Kosten.

Die Provider bieten unterschiedliche Preismodelle für deren jeweilige Services an und es gibt keinen Grund, warum man sich nicht die günstigsten Modelle heraussuchen sollte.

5. Business Continuity

Wenn mehrere Provider einbezogen werden, hat ein Unternehmen eine bessere Sicherheit gegen regionale Desaster, vor allem wenn die Daten auf mehrere Erdteile verteilt werden.

Es besteht grundsätzlich zwar ein kleines Risiko, dass eine Zero-Day-Attacke einen globalen Provider völlig lahmlegen könnte.

Es ist jedoch äußerst unwahrscheinlich, dass zwei oder mehrere Cloud-Anbieter von einer solchen Attacke oder einem ähnlichen Zwischenfall betroffen sein könnten.

Eine Verteilung der Daten auf mehrere Provider erhöht also die Sicherheit.

Multi Cloud – ein wahrer Segen?

Das Konzept der Multi Cloud lässt sich nicht blind auf alles anwenden. Vielmehr sollte man darauf achten, wie sich die Workloads zusammensetzen, wie diese interagieren und wo sich sinnvolle Funktions-Cluster ergeben. Sonst kann man im ungünstigsten Fall in einem Setup enden, das sich nachteilig auf Kosten, Performance, Produktivität oder Managebarkeit auswirken kann.

Besitzt beispielsweise eine stark frequentierte Web API eine starke Kohärenz zur Datenbank, kann es Sinn machen, diese Komponenten möglichst “nahe” beieinander zu lassen. Eine Verteilung auf verschiedene Anbindungen könnte zusätzliche Latenzen hinzufügen und sich somit negativ auf die Responsivität der API auswirken. Dagegen kann das passende Frontend problemlos bei einem anderen Anbieter laufen und muss nicht zwangsläufig zusammen mit der API gehostet werden.

Die Königsdisziplin im Multi-Cloud Umfeld ist sicherlich die dynamische Verschiebung der Workloads. Hierbei sollten die Abhängigkeiten beachten werden, denn nicht jeder Workload lässt sich ohne weiteres über Nacht verschieben. Während zum Beispiel bei einem Printserver außerhalb der Geschäftszeiten ein dynamischer Umzug durchaus möglich ist, kann einen der Umzug eines kritischen Produktionsservers durchaus vor ungeahnte Herausforderungen stellen.

Fazit

Was ist denn nun der richtige Weg? Hier gilt – wie so häufig – der allgemein vielfach genutzt Spruch “Es kommt darauf an”.

Wenn die Entscheidung Multi Cloud bewusst und gezielt getroffen wird, kann dabei ungeahntes Potential entstehen. Wichtig ist hierbei eine klare Strategie zu verflogen und diese gemäß der selbst definierten Richtlinien konsequent umzusetzen – dann ist eine Multi Cloud definitiv eine richtig gute Sache.

Axel Fischer - Co Founder

Axel hat seinen Master in Informatik an der TU München in der Tasche und ist spezialisiert auf Google Cloud Platform und G-Suite. Zudem ist er bei uns zuständig für Netzwerk- und Linuxadministration sowie Netzwerkdesign.