Das Wichtigste aus 2020 – ein Cloud-Jahresrückblick

Ein turbulentes Jahr liegt hinter uns allen. Wir standen teilweise vor unerwarteten Herausforderungen und mussten uns neu zurechtfinden, sowohl privat als auch bei der Arbeit. Und so leid es uns tut… auch in diesem Beitrag wird Corona einen nicht unerheblichen Platz einnehmen.

Das erwartet dich:

Cloud Computing steht plötzlich im Fokus

Durch die Corona-Pandemie waren in diesem Jahr viele Unternehmen plötzlich auf Remote-Arbeiten angewiesen. Schüler mussten ins Homeschooling, noch mehr Einzelhändler lassen ihr Business nun auch online stattfinden und viele weitere Dienstleistungen wurden schnellstmöglich auf Onlinetauglichkeit angepasst.

Das alles hat dafür gesorgt, dass die Umstellung auf Cloud Computing in vielen Bereichen massiv beschleunigt worden ist – was man durchaus als einen der wenigen positiven Nebeneffekte werten kann.

Cloud-Anbieter stellten außerdem ihre Infrastruktur zur Verfügung, um bei der Bekämpfung des Virus zu helfen. Ein tatsächlich wichtiger Beitrag, da wir heute glücklicherweise die Möglichkeit haben, neue Erkenntnisse in Echtzeit global zur Verfügung stellen zu können.

Ebenfalls viel Platz hat die Rassismus-Debatte in diesem Jahr eingenommen. Nach dem Tod von George Floyd versprachen viele Cloud- und Technologieunternehmen, ihre Belegschaft zu diversifizieren und viel Geld in Antirassismus und Gerechtigkeit zu investieren – was tatsächlich auch immer wieder auf vorbildliche Art und Weise umgesetzt wurde.

Viel ist also passiert. Die wichtigsten Stories aus 2020 fassen wir an dieser Stelle nochmals für dich zusammen – in welcher Reihenfolge Du diese für dich selbst gewichtest, ist natürlich deine ganz eigene Sache. 🙂

10. Das Hin und Her um JEDI geht weiter

JEDI Verhandlungen ziehen sich weiter

Die Vergabe des JEDI-Cloud-Computing-Vertrags durch das US-Verteidigungsministerium zog und zieht sich länger hinaus, als anfangs gedacht. Was bereits im Oktober 2019 begonnen hat, sorgte erst im vergangenen Monat erneut für Schlagzeilen.

Frank Shaw, Vice President von Microsoft Corporate Communications, forderte AWS in seinem Blog auf, sich von seinen Rechtsstreitigkeiten und Protesten gegen den kommerziellen Cloud-Transformationsvertrag zurückzuziehen.

AWS – ursprünglich als Favorit für den Zuschlag angesehen – reichte im November eine Klage ein, Präsident Donald Trump habe sich in die Vertragsverhandlungen eingemischt. Dies wird vor allem auf seine mutmaßliche Verachtung gegenüber Jeff Bezos zurückgeführt.

Wie es hier weitergeht? Keine Ahnung. Sicher wird uns das auch in 2021 noch beschäftigen – wir sind gespannt und behalten das definitiv im Auge.

9. Hewlett Packard Enterprise mischt jetzt mit

HPE hat diesen Monat einen großen Schritt gemacht und in seinem GreenLake Pay-per-Use Modell gezeigt, dass man vom maßgeschneiderten Angebot zu einer standardisierten Gruppe von unterschiedlichen Baustein-Modellen übergehen möchte. Diese Bausteine sollen für kleine, mittlere und große Unternehmen erstellt werden.

Es soll so ermöglicht werden, den Verkaufszyklus massiv zu verkürzen. So ist hier von einer Spanne von 14 Tagen von Preisangebot bis Lieferung die Rede, was bisher ca. 6 Monate gedauert hat.

Die HPE GreenLake Cloud Services umfassen Containerverwaltung, maschinelles Lernen, Datenschutz, Netzwerk, virtuelle Maschinen (VMs) und Datenspeicher. So kann der Kunde Anwendungen und Daten in seiner Umgebung auf Wunsch von Grund auf modernisieren. Basierend auf möglichen vorintegrierten Bausteinen werden die Services von HPE in kleinen bis großen Konfigurationen verkauft.

8. Entlassungen bei IBM

Im Mai diesen Jahres sorgten Berichte über weit umfassende Entlassungen bei IBM während der Corona-Pandemie für Aufsehen.

Wall Street Journal und FOX Business gaben dabei an, dass Big Blue Kürzungen bestätigt hat, die sich auf Jobtypen, Produktbereiche und Unternehmensstandorte in den USA (einschließlich Cloud) auswirken. Ein IBM-Sprecher stellte jedoch öffentlich fest, dass kürzlich entlassene Mitarbeiter dennoch eine Verlängerung ihrer Krankenversicherungsleistungen erhalten.

Hierbei muss außerdem erwähnt werden, dass personelle Maßnahmen zur Verbesserung der globalen Wettbewerbsfähigkeit bereits im Januar – also vor Ausbruch der Pandemie – bereits öffentlich von IBM angekündigt worden sind.

7. GA von Google Cloud Anthos auf AWS

Im April kündigte Google Cloud die allgemeine Verfügbarkeit der Hybrid- und Multi-Cloud-Plattform Anthos auf AWS an. Mit Anthos können Anwendungen in verschiedenen Umgebungen erstellt und verwaltet werden. Nicht nur in lokalen Rechenzentren, sondern auch in der Google Cloud und in konkurrierenden Clouds von Drittanbietern wie AWS oder Microsoft Azure.

Laut Jennifer Lin, Vice President of Product Management bei Google Cloud, wurde außerdem eine umfassendere Anthos-Unterstützung für VMs angekündigt. Kunden und Partner sollen so das Management-Framework auf die Arten von Workloads ausweiten können, aus denen die überwiegende Mehrheit vorhandener Systeme besteht.

6. Neuer Präsident und CEO für IBM

Nach acht Jahren kündigte Virginia Rometty (damalige Präsidentin und CEO von IBM) an, zurückzutreten. Der ehemalige Senior Vice President für Cloud- und kognitive Software des Unternehmens, Arvind Krishna, wurde in Folge des Rücktritts der 10. CEO von IBM. James Whitehurst, ehemaliger Senior Vice President von IBM und CEO von Red Hat, wurde zum IBM President.

Bei seiner Grundsatzrede auf der IBM Think Digital-Konferenz im Mai diesen Jahres erklärte Krishna, dass KI, Cloud und 5G-Netzwerke die leistungsstarken Kerntechnologien sind, auf die Unternehmen auch in Zukunft bauen sollten und werden. Ebenfalls spielen laut Krishna Blockchain und Quantencomputer eine wichtige Rolle bei der Transformation der digitalen Zukunft.

Eine offene Hybrid-Cloud-Plattform – dank Übernahme von Red Hat – sei außerdem der Wettbewerbsvorteil von IBM bei diesen Technologien.

5. Verbot für Gesichtserkennungstechnologie bei der Polizei

Ausschlaggebend hierfür ist der Tod von George Floyd, der im Mai von einem Polizisten getötet worden war, als dieser ihn mehrere Minuten mit seinem Knie zu Boden gedrückt hatte.

Gesichtserkennungstechnologie aufgrund Rassismus verboten - SEQUAFY

IBM-CEO Arvind Krishna kündigte nun kürzlich an, dass das Unternehmen keine Gesichtserkennungssoftware oder Analysesoftware mehr anbietet. Die Verwendung von Technologien (auch die anderer Anbieter) für Massenüberwachung, Rassenprofile, Verstöße gegen grundlegende Menschenrechte & Grundfreiheiten oder für Zwecke, die nicht den Werten und Vertrauensgrundsätzen entsprechen, solle nicht mehr unterstützt werden.

Krishna fordert einen Dialog darüber, ob und wie Gesichtserkennungstechnologien von nationalen Strafverfolgungsbehörden eingesetzt werden sollen. Künstliche Intelligenz ist ist ein mächtiges Instrument, die in den falschen Händen viel Schaden anrichten kann. Daher tragen Anbieter und Benutzer von AI-Systemen die gemeinsame Verantwortung dafür, dass diese Technologie verantwortungsvoll genutzt wird.

AWS hat in diesem Monat ein Verbot eingeführt, das die Polizei daran hindert, das Ende 2016 eingeführte Bild- und Videoanalysetool Amazon Rekognition zu verwenden. Es wurden von AWS erneut strengere behördliche Vorschriften für den ethischen Einsatz von Gesichtserkennungstechnologien gefordert. Eine Verwendung der daraus gewonnenen Ergebnisse wird von AWS nachdrücklich nur dann empfohlen, wenn diese zusätzlich durch weitere Beweise – mit einer Sicherheit von mindestens 99% – abgesichert sind.

Microsoft gab zwischenzeitlich ebenfalls bekannt, dass Gesichtserkennungstechnologie erst dann an die Polizei verkauft werden wird, wenn auf Menschenrechten beruhende Bundesvorschriften erlassen werden.

4. Die Nutzung von Cloud-basierten Videokonferenzen explodiert

Microsoft Teams, Google Meet, Zoom, Slack (und viele mehr) – die Nutzung all dieser Dienste ist aufgrund der Corona-Pandemie explodiert. Noch nie wurde so viel von zu Hause aus gearbeitete, wie in diesem Jahr.

Videokonferenzen im Modern Workplace - SEQUAFY GmbH

Microsoft Teams hatte eigenen Berichten zufolge im April bereits mehr als 75 Millionen aktive Benutzer pro Tag. Am 19. März zum Beispiel waren es “nur” 44 Millionen gewesen. Inzwischen hat Microsoft Teams von 9 sichtbaren Teilnehmern auf eine Galerie mit 49 Personen erweitert.

Laut Andy Jassy, CEO von AWS, hat die Nutzung von Videokonferenzen durch AWS-Mitarbeiter das Denken und die Einstellung von AWS über Besprechungen verändert. Dies würde sich auch auf die Rückkehr ins Büro, nach der Pandemiezeit, auswirken. Viedokonferenzen haben sich laut Jassy auch für Meetings als integrativer erwiesen, da “jeder nur ein Quadrat bekommt”, was für ein ausgeglichenes Spielfeld sorge. Viele eher zurückhaltende Mitarbeiter würden so sichtbarer teilnehmen, als es vorher der Fall gewesen sei.

Slack wiederum verzeichnete bereits im ersten Quartal einen Rekord von 90.000 neuen Kunden – Tendenz steigend. Slack hat außerdem das Amazon Chime SDK integriert, um Video-, Audio- und Bildschirmfreigabefunktionen für seine Plattform bereitzustellen. AWS wiederum wird den Einsatz von Slack auf die eigenen Mitarbeiter ausweiten.

3. Führende Cloud-Unternehmen verurteilen rassistische Ungerechtigkeit

Cloud-Giganten gegen Rassismus - SEQUAFY

Führende Persönlichkeiten aus dem Cloud Universum nutzten dieses Jahr Plattformen wie Twitter besonders häufig, um Rassismus und rassistische Ungerechtigkeit anzuprangern. Auslöser ist auch hierfür der gewaltsame Tod von George Floyd, der Persönlichkeiten wie Andy Jassy (CEO von AWS) zu Aussagen wie “Wie viele Menschen müssen noch sterben (…) wie viele Augenzeugenvideos werden noch benötigt, bis unsere Politik aufwacht?” via Twitter veranlasst.

Ein weitere Tweet von Amazon erklärte, dass “die ungerechte und brutale Behandlung der Schwarzen in unserem Land aufhören muss”. “Gemeinsam stehen wir in Solidarität mit der Black Community – unseren Mitarbeitern, Kunden und Partnern, im Kampf gegen systemischen Rassismus und Ungerechtigkeit”, twitterte Amazon als Company.

Sundar Pichai wiederum (CEO von Alphabet und Google) macht auf den US-amerikanischen Google- und Youtube-Startseiten auf die Unterstützung von Google für die Rassengleichheit aufmerksam.

2. Coronavirus steigert die Einnamen der Cloud-Unternehmen enorm

Dieser Fakt ist nicht wirklich eine Überraschung – wurde hierüber ja bereits mehrfach in diesem Jahr berichtet.

“Cloud Services sind ein unbesungener Held, wenn es darum geht, diesen massiven plötzlichen Wandel zu einer Remote-First-Belegschaft zu ermöglichen. Es ist leicht zu vergessen, aber vor 10 Jahren wäre nichts davon überhaupt möglich gewesen.”

Apurva Joshi

AWS, Microsoft Azure und Google Cloud waren das Rückgrat der dramatischen Skalierung von Online-Anwendungen und die Umstellung auf Remote-Arbeit, Unterhaltung und Online-Shopping.

Dank der öffentlichen Cloud-Infrastrukturen der Cloud-Riesen konnten Videokonferenzen, Remote-Projektzusammenarbeit, E-Commerce, Bildung, Spiele und Streaming-Video-Unternehmen den enormen ungeplanten Nachfrageschub bewältigen.

Apurva Joshi – Vizepräsident des New Yorker Cloud-Anbieters Digital Ocean – sagt ganz treffend:

“Cloud Services sind ein unbesungener Held, wenn es darum geht, diesen massiven plötzlichen Wandel zu einer Remote-First-Belegschaft zu ermöglichen. Es ist leicht zu vergessen, aber vor 10 Jahren wäre nichts davon überhaupt möglich gewesen.”

Das Coronavirus treibt die Ausgaben für Cloud-Dienste nach wie vor massiv voran. Neunundfünfzig Prozent, der an einer Umfrage teilnehmenden Unternehmen, erwarteten eine geringfügig oder deutlich höhere Cloud-Nutzung als geplant. Die Hälfte der kleinen und mittelständischen Unternehmen davon erwarteten sogar eine Eskalation der Cloud-Nutzung, so das Ergebnis der Umfrage von Flexera.

Die Nutzung von Windows Virtual Desktop (dem Desktop- und App-Virtualisierungsdienst von Microsoft, der in der Microsoft Azure-Cloud ausgeführt wird) hat sich aufgrund von Remote-Arbeit im dritten Quartal sogar verdreifacht.

1. Last – not least: Cloud Provider unterstütz(t)en den Kampf gegen Covid-19 an vorderster Front

Führende Persönlichkeiten aus dem Cloud Universum nutzten dieses Jahr Plattformen wie Twitter besonders häufig, um Rassismus und rassistische Ungerechtigkeit anzuprangern.

Cloud-Giganten gemeinsam gegen Corona - SEQUAFY

So hat die WHO z.B. die AWS-Cloud genutzt, um große Data Lakes zu erstellen, epidemiologische Länderdaten zu aggregieren, medizinische Schulungsvideos schnell in verschiedene Sprachen zu übersetzen und globale Mitarbeiter des Gesundheitswesens bei der Behandlung von Patienten zu unterstützen. AWS hat hierbei seinen eigenen Covid-19 Data Lake als zentrales Repository für aktuelle, virusbezogene Informationen zur Verwendung durch Experten veröffentlicht.

Außerdem hat AWS 20 Millionen US-Dollar für die Unterstützung seiner AWS Diagnostic Development Initiative bereitgestellt. Hierbei handelt es sich um ein Programm, mit dem Kunden sich auf genaue Coronavirus-Diagnoselösungen konzentrieren können.

Google Cloud wiederum arbeitet – nach eigenen Angaben – mit dem Weißen Haus und anderen Institutionen zusammen, um mittels neuer Text- und Data-Mining-Techniken den Covid-19 Open Research Dataset (umfangreiche Sammlung maschinenlesbarer Corona-Literatur) zu untersuchen. Außerdem stellt Google akademischen- und Forschungs-Einrichtungen, die potenzielle Impfstoffe und Therapien untersuchen, Google-Cloud-Gutschriften in Höhe von 20 Mio US-Dollar zur Verfügung.

Micorosoft legt seinen Schwerpunkt auf die Erforschung des Coronavirus an vorderster Front in fünf Bereichen:

  • Daten und Erkenntnisse in Bezug auf Sicherheit und wirtschaftliche Auswirkungen
  • Behandlung und Diagnose
  • Ressourcenzuweisung für Vermögenswerte wie Krankenhausraum und medizinische Versorgung
  • Verbreitung genauer Informationen zur Minimierung des Austauschs von Fehlinformationen
  • Wissenschaftliche Forschung

Hierfür wurden ebenfalls 20 Millionen US-Dollar für die Bemühungen bereitgestellt.

Außerdem hat Microsoft einen Gesundheits-Bot entwickelt. Dieser soll verhindern, dass Websites überlastet werden, hilft der Öffentlichkeit die Symptome und Risikofaktoren von Coronaviren schnell zu bewerten und schlägt weitere Schritte vor.

Fazit – Ein Jahr mit klarer Thematik

Wie bereits eingangs angekündigt, dominierte das Thema Covid-19 das Jahr 2020. Andererseits war nichts anderes zu erwarten, beschäftigt uns das Thema auch aktuell noch tagtäglich.

Nichtsdestotrotz möchten wir abschließend hervorheben, dass die Pandemie nicht nur zum Wachstum von Cloud-Projekten beigetragen hat. Auch hat sie das Bewusstsein dafür geschärft, wie viel besser wir aufgestellt sind, als es noch vor 10-15 Jahren der Fall gewesen wäre. Und besonders große Cloud-Anbieter konnten dadurch dieses Jahr mehrfach unter Beweis stellen, dass Erfolg auch dazu befähigt, viel Gutes zu bewirken.

Wir sind gespannt auf das neue Jahr 2021 und erhoffen uns (da sind wir ganz ehrlich) selbstverständlich auch ein paar große Neuigkeiten, die fernab von all den Themen, die dieses Jahr beherrscht haben, stattfinden.

SEQUAFY wünscht in jedem Fall einen guten Rutsch und ein erfolgreiches & gesundes 2021.

Franziska Wohlfahrt-Prahl Senior Marketingmanagerin bei Sequafy

Franziskas Welt ist das (Online-)Marketing, ihre liebsten Disziplinen sind hierbei Dialogmarketing und Contentmarketing. Die Welt des Cloud Computing hat sie bei Sequafy erst so richtig kennengelernt und als spannende Herausforderung gesehen. Hier bringt sie sich und ihre Erfahrung ein, um unseren Webseite-Content stets up to date zu halten.